Julius Bentele, Würzburg

Nominierung BDA Preis Bayern 2019

Entscheidungen im Raum

Julius Bentele, Würzburg

Entscheidungen im Raum

Architekt
Verfasser: Julius Bentele, Würzburg
Bauherr
Betreuung durch Prof. Wolfgang Fischer, Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt

Nominierung

BDA Preis Bayern 2019 – Nachwuchspreis (gesonderte Auslobung)

Ausgehend von einer selbstreflexiven Betrachtung, setzt sich die Arbeit intensiv mit Raum auseinander. Raum als eine dem Architekturstudium immanente, aber unterrepräsentierte Kategorie wird am ehesten physisch als dreidimensionaler Behälter verstanden. Im Gegensatz dazu legt der Autor hier theoretische Überlegungen dar, die Raum als Produkt von Interaktionen verstehen. Raum entsteht zwischen Handelnden und wird damit zur jeweils individuellen Erfahrung. Sich an einer eigenen Raumtheorie zu versuchen, ohne auf die zahlreichen Vordenker — man denke an Foucault oder Lefebvre — einzugehen, ist gewagt, aber der Autor ist sich dessen bewusst und hat daher seinen «wissenschaftlichen Anspruch direkt am Anfang an der Garderobe abgegeben».

Die Arbeit ist in zwei Büchlein zusammengefasst — das eine ist die theoretische Auseinandersetzung, das andere eine Fotodokumentation von 22 abwechslungsreichen und unterhaltsamen Raumexpe-rimenten. So beispielsweise das Projekt «Grünschnäbel»: zehn Personen, zehn grüne Gießkannen, eine große Kiesfläche. In der gemeinsamen Aktion des Wasserholens und Ausgießens entsteht ein Raum zwischen den Handelnden, der letztlich durch zehn nasse Flecken auf dem Kies auch temporär greifbar wird.

Neben den kurzweilig formulierten Texten zum Raum zieht die Arbeit eine entscheidende Schlussfolgerung für die Architektur. Wenn Raum erst durch Interaktion entsteht und gute Architektur sich dadurch auszeichnet, raumbildend zu wirken, muss sie solche Interaktionen zulassen und fördern. Sie muss Impulse geben, die einen Dialog und ein Handeln mit anderen anstoßen.

Raum als in Theorie und Experiment durchdrungenes Element einer Studienarbeit zu sehen, ist so überraschend wie es in der Architektur selbstverständlich sein sollte. Das Ergebnis ist ein lustvolles Nachdenken in Bild und Text, das ansteckend wirkt. Man wäre gern beim Raummalen im Kiesbett dabei gewesen, in der Hand eine grüne Gießkanne.