Jens Weber, München

Nominierung BDA Preis Bayern 2019

Neubau einer Dreifach-Turnhalle für die Realschulen

Eichstätt-Rebdorf

Jens Weber, München

Neubau einer Dreifach-Turnhalle für die Realschulen

Eichstätt-Rebdorf
Architekt
Diözesanbauamt Eichstätt
Bauherr
Diözesanbauamt Eichstätt

Nominierung

BDA Preis Bayern 2019 – Bauen für die Gemeinschaft

Das weitläufige Ensemble des Schulzentrums Rebdorf, eine ehemalige Klosteranlage, liegt auf einem stark abfallenden Gelände zwischen Straße und Altmühl. Unmittelbar neben der Kirche an der Stelle des früheren Klostergartens wurde der Neubau der Dreifachsporthalle errichtet. Mit dem Blick auf Altmühlauen und Willibaldsburg öffnet sich das Gebäude über die gesamte Längsfassade gen Osten, während es westseitig komplett im Hang versinkt. Die Zugänge an Nord- und Südseite erschließen die Halle über einen galerieartigen «Stiefelgang» im Obergeschoss. Drei eingeschobene Kuben enthalten die Umkleiden und Duschen. Sie dienen als Schleuse zum rückseitig im Hang angeordneten «Turnschuhgang». Der Gang wird über zwei breite, großzügig verglaste Notausgänge belichtet, die auf die begrünte Dachfläche des Gebäudes führen. Zwischen den Umkleideblöcken und in einer Achse mit den Notausgängen leiten zwei lange, schmale Treppenräume in das Untergeschoss zu den Hallen, Technikräumen und einem Kraftraum.

Die Materialpalette ist reduziert: Außen kontrastiert die geradlinige Cortenstahl-Fassade die denkmalgeschützte, barocke Gestaltung von Schule und Kirche. Die niedrigen Vordächer an den Eingängen sind ebenfalls in Corten gehalten und wirken wie aus der Fassade geklappt. Im Innenraum dominiert glatter Sichtbeton von ausgezeichneter Qualität. Hallendecke und Umkleideboxen sind mit weiß lasierten, horizontal gerillten Holzakustikplatten verkleidet. Eine ähnliche Gestaltung zeigt die Leistenschalung der Prallwand im Hallenbereich. Beleuchtete Glasfugen setzen die Boxen an der Deckenunterseite vom Beton ab. Kreisrunde Oberlichter in Umkleiden, Wasch- und Treppenräumen wirken wie aus dem Beton gestanzte Lichtlöcher und erzeugen einen dramatischen Lichteffekt, der sich im hohen Treppenkörper bis ins Sakrale steigert. Die Ostfassade ist mit anprallsicherer Dreifachverglasung und vorgehängten, nach dem Sonnenstand ausgerichteten Corten-Lamellen versehen. Sie lassen blendfreies Tageslicht in den Turnhallenbereich. Betonkernaktivierung und Nachtauskühlung über die Fassade verhindern eine sommerliche Überhitzung. Der Ablauf Ankommen, Umziehen, Sport ist zweckmäßig organisiert und abwechslungsreich inszeniert. Verschiedene Raum- und Lichtverhältnisse reihen sich aneinander. Mal offen, hell und einladend; mal klein, höhlenartig und mit gedämpftem Licht von oben. Insgesamt 1300 Schüler nutzen die Hallen und in den Abendstunden kommen auch ortsansässige Vereine in den Genuss des gelungenen Gebäudes. Das ist Architekturvermittlung am gebauten Objekt — hier haben die Planer nicht nur durch den großen Glasanteil auf Weitblick gesetzt.